Weiche

Wasserwerkstatt / Gerberei


2. Äscher

Der erste Arbeitsschritt im Äscherfass ist die Weiche.
Mit Wasser wird die Rohware von natürlichen Hautverschmutzungen gereinigt.
Ziel ist, die Haut in den Zustand zurückzuführen, den sie am lebenden Tier hatte.
Der Wassergehalt von ca. 65% soll nach der Weiche in der Haut wieder erreicht sein.

Im selben Fass findet danach der Äscher statt.
Hier werden nicht-Leder-gebende Substanzen, wie Naturfett und Eiweiß, aus der Haut heraus gewaschen.

Durch Zugabe von Kalk und Schwefelnatrium wird der PH Wert im Rezepturverlauf angehoben. Dadurch werden die Haare chemisch von der Hautoberfläche entfernt.

Weiche und Äscher werden anhand einer Rezeptur durchgeführt und dauern
ca. 24-36 Stunden.

Die geäscherte und enthaarte Haut heißt nun Blöße.

3. Entfleischen / Kantieren

Beim Entfleischen wird das Unterhautbindegewebe mechanisch von den Blößen entfernt.
Die entfleischte Blöße wird anschließend beschnitten.

Schwanzwurzel, Bauchnabel, Kniescheiben und andere nicht gewünschte Hautteile werden dabei abgetrennt.

In der Nasswerkstatt entsteht kein Abfall:
Alle anfallenden Hautteile werden ökologisch sinnvoll weiterverwendet:
Sie dienen der Leim- und Gelatineindustrie als wertvoller Rohstoff oder werden zur CO2-neutralen Energiegewinnung in Biogasanlagen genutzt.

4. Spalten

Mit einem Bandmesser wird die Blöße horizontal in einen Narben- und einen Fleischspalt
geteilt!

Der  Narben- oder auch Oberspalt wird im weiteren Verlauf zum Oberleder verarbeitet.

Der Fleischspalt wird üblicherweise zu Spaltleder verarbeitet. Die Lederfabrik Heinen führt ihn jedoch der Gelatineindustrie zu, da sie den Oberspalt so dick schneidet, dass der Fleischspalt zu dünn ist, um ihn anders zu verwerten.

5. Gerben

Der zentrale Arbeitsgang bei der Lederherstellung ist die Gerbung.
Sie dauert etwa 20 Stunden, ist rezepturgesteuert und wird im Fass durchgeführt.

Bis zur Gerbung ist das Hautmaterial verderblich.
Erst durch den Gerbprozess wird die Haut haltbar gemacht.

Dieser Prozess setzt sich aus 5 einzelnen Schritten zusammen, die hintereinander im Gerbfass ablaufen:
Entkälkung, Beize, Pickel, Gerbung und Abstumpfung.

Im ersten Schritt - der Entkälkung - wird der im Äscher zugeführte Kalk wieder herausgelöst.
Bei der Lederfabrik Heinen wird dieser Schritt sehr umweltfreundlich mit Kohlensäure durchgeführt.

In der anschließenden Beize werden mit Hilfe von Enzymen Kollagen und andere Eiweißstoffe kontrolliert abgebaut. Dadurch werden die Fasern gegeneinander beweglicher und das Leder wird weicher.

Im Pickel wird durch Zugabe von Säure und Salz der PH-Wert der Haut abgesenkt und somit auf die Zugabe von Gerbstoff vorbereitet.

Wenn die Haut durch den gesamten Querschnitt einen PH-Wert von ca. 3 erreicht hat, ist sie bereit für die Zugabe des Gerbstoffes.

Häute können mit den  verschiedensten Substanzen gegerbt werden.
Die Lederfabrik Heinen gerbt mit Chrom, dem weltweit verbreitetesten und umweltfreundlichsten Gerbstoff.

Chrom ist ein natürliches, ungiftiges Element, das wir z. B. auch mit unserer Nahrung aufnehmen.

Bei unserer Gerbung wird ausschließlich 3-wertiges Chromsalz eingesetzt.

Das in Deutschland verbotene 6-wertige Chrom gelangt bei der Lederfabrik Heinen unter Garantie nicht zum Einsatz!

Bei einem niedrigen pH-Wert sind die Chrommoleküle sehr klein und können so gut in die Haut eindringen und sich in den Hautfasern einlagern.

Beim Abstumpfen wird der PH Wert leicht angehoben, wodurch sich die Chromteilchen in der Haut vergrößern und dann an mindestens zwei Stellen eine Bindung mit dem Hautkollagen eingehen.

Diese Vernetzung zwischen Gerbstoff und Hautmaterial nennt man Gerbung.
Der Chromgerbstoff färbt die Haut bläulich, deshalb nennt man sie nach der Gerbung "Wet Blue".

6. Abwelken / Halbieren

Das sehr nasse Wet Blue wird auf der Abwelkpresse entwässert indem zwei Filzrollen mit hohem Druck einen Teil des Wassers aus der Haut herauspressen.

Anschließend wird die ganze Haut in zwei Hälften geteilt, da diese im weiteren Verlauf einfacher zu verarbeiten sind.

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